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Samstag, 9. März 2013

Medizinische Versorgung NHS und Rezept für Lammstelzen - Lamb Shanks - mit Polenta

Diese Woche haben Schwiegermutter, Hubby und ich uns durchs Gesundheitswesen auf der Insel bewegt. Doris bekam zwei Höhrgeräte angepasst, (sie gefallen ihr leider so gar nicht....), diese kommen mit dazugehörger 'Hearing Aid Nurse', diese kann bei Bedarf angerufen werden, und hilft dann mit dem Einsetzen, Batteriewechsel und anderen Problemen. Hubby war zur HNO Untersuchung in der Privatklinik, ich zum CT beim NHS (National Health Service). Der NHS Service ist der älteste Service dieser Art in der ganzen Welt, wurde bereits 1948 gegründet. Leider hat er (oft zu unrecht - finde ich) einen schlechten Ruf. Das System funktioniert indem jeder Arbeitnehmer und Arbeitgeber einen bestimmten Anteil des Gehaltes einzahlt, der Service ist dann kostenfrei - und das für ALLE - die diesen Service benötigen. Ausser Rezeptgebühren für Medikamente habe ich noch nie etwas bezahlt. Nicht für Zahnspangen, nicht für Physiotherapie, nicht für Krankehaus, keine Praxisgebühr, keine Kosten für Ambulanz, Krankenschwestern oder Hörgeräte. Der Service ist organisiert, durch seinen Wohnort wird man einem Medical Centre zugeordnet, dort entscheidet dann der GP (General Practioner - das ist der Hausarzt), was medizinisch geboten ist. Da fällt das System dann schon 'mal auf den Bauch, denn was medizinisch geboten ist, ist nicht immer sofort klar, da muss der Patient schon etwas mitdenken und ggfs hartnäckig sein! Die Fachärzte (Consultants) praktizieren ausschliesslich in den Krankenhäusern - aufgeteilt in private Konsultationen und NHS Konsultationen, die meisten Fachärzte machen beides. Der Unterschied zwischen privat und NHS zeigt sich in der Wartezeit (und natürlich auch ob man Kaffee und Tee im Wartezimmer bekommt!), und diese hängt von der Schwere der Erkrankung bzw der Dringlichkeit ab. Gar kein so schlechtes System - klar gibt es, wie bei jedem System auch Probleme, da haben die Politker reichlich zu tun und alle Jahre wieder gibt es dann eine NHS Reform.....
Bei uns gab es Lammstelzen, fast ein Lieblingsgericht! In Deutschland hatte ich sogut wie nie Lamm gegessen, viele Leuten sind dort, was den Geschmack angeht, mehr als skeptisch, so dass man es lieber nicht zubereitet, da es irgendwie immer jemanden gibt, der den 'Hammelgeschmack' nicht mag. Ich kann dazu nur sagen, 'wenn es nach Hammel schmeckt, dann ist auch Hammel drin', denn Lammfleisch hat keinen strengen Eigengeschmack, es ist einfach nur lecker! Auf der Insel werden viele Schafe gehalten und daher ist Lamm eines der traditionellen Fleischsorten, die eigentlich jeder mag.
Lammstelzen sind eine vergleichsweise günstige Alternative zum Sonntagsbraten, und bestens für eine kleinere Gruppe (nur wir zwei!) geeignet. Durch die lange Garzeit wird das geschmackvolle Fleisch wunderbar zart.
Das Lammfleisch aus dem Kühlschrank nehmen und auf Zimmertemperatur bringen, das empfiehlt sich eigentlich bei allen Fleischstücken.. Den Backofen auf 180 Grad vorheizen. In der Zwischenzeit die Zutaten für das Sofrito vorbereiten.
Bei mir kam folgendes rein:
2 Selleriestangen
1 Zwiebel
1 Bananenschalotte
1 dicke Karotte
ein paar Anchovis
2 Knofizehen
Das Gemüse in feine Würfel schneiden.
Die Lammstelzen mit Salz und reichlich Pfeffer einreiben und in Olivenöl von allen Seiten scharf anbraten, ich habe zur Aromatisierung noch einen/zwei Zweiglein frischen Rosmarin ins Olivenöl gegeben.
Die Lammstelzen aus dem Topf nehmen und nun das Gemüse auf kleiner Flamme ca. 10 Min weichdünsten. Mit einem Glas Rotwein ablöschen und 1 Dose gehackte Tomaten zugeben. Die vorgebratenen Lammstelzen auf das Gemüse legen. Deckel drauf und 1,5 Std im Ofen garen. Temperatur auf 200 Grad schalten und den Deckel abnehmen, nochmals 30 Minuten bräunen.
Hubby bekam Kartoffelpüree dazu, ich habe mir Polenta gemacht. Vor dem Anrichten habe ich die Sauce mit dem Blender püriert, da braucht es kein Anbinden mehr. Das Fleisch fällt durch die lange Garzeit vom Knochen und eine Lammstelze ist eine großzügige Portion für einen Esser.


Kommentare:

Barbara hat gesagt…

Das NHS fand ich schon immer gut, nicht perfekt, klar, aber im Gegensatz zu dem, was wir hier in Deutschland haben, ist es ein Paradies. Ich bin für dieses Modell.

Wenn ich mir überlege, was ich monatlich für die (aus Überzeugung gesetzliche) Krankenversicherung bezahle, und was ich dafür nicht kriege... Die letzten Wochen/Monate war/bin ich mit meinen Zähnen beschäftigt, da zahle ich fast alles selbst, auch die dadurch notwenige Osteopathie, usw. Verrückt...

Aber ich kann's nicht ändern, also nicht ärgern, dafür freue ich mich an Deinem Lamm. Das ist hier zum Glück leichter zu bekommen als früher, und ich mochte das schon immer. Toll!

356 Tage hat gesagt…

Ein wunderbares Gericht, toll präsentiert - verlockt zum sofort Nachkochen. Das mit den Anchovies finde ich auch toll, als Geschmacksintensivierer.

Woolly Bits hat gesagt…

wir haben ja ein ganz aehnliches system hier, aber es funktioniert nur in wenigen bereichen:( alles, was dringlich ist, faellt durch. da werden leute mit brustkrebs auf wartelisten gesetzt usw. zahnmedizin gibt es praktisch garnicht mehr umsonst, einmal im jahr anschauen, alles andere incl. roentgen etc. zahlt man selbst. leute liegen tagelang auf trolleys in hospitals usw. nee, hier zumindest ist dieses system ne katastrophe:(
aber die lamb shanks sehen lecker aus:)

Kiki hat gesagt…

Hallo liebe Gudrun,
so wie du euer Gesundheitssystem beschreibst, so habe ich es auch von meiner Freundin gehört. Auch sie ist recht zufrieden damit.
Ich liebe deine Seite und deine tollen Rezepte. Immer wieder bekomme ich hier tolle Anregungen. Und Lammfleisch liebe ich auch ganz besonders!! Ein sehr leckeres, schmackhaftes Fleisch.
Liebe Sonntagsgrüße,
Christa
PS: Ende März bin ich wieder in Oxford. Ich freue mich schon sehr.

Island Girl hat gesagt…

@ Barbara, trotz schlechter Presse, finde ich das System auch ok.
@ 356 Tage, ich liebe Lammstelzen, sie schmelzen auf der Gabel
@ Wolly Bits, es kommt sicher auf die Situation an, schlechte Erfahrungen gibt es immer - in allen Systemen, manches gibt einem schon zu denken.
@ Kiki, danke fuers Lesen
LG Gudrun