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Freitag, 4. April 2014

Lammstelzen in Rioja - oder: Wie Miss Marple alles fest im Griff hat!

Am vergangenen Sonntag war Muttertag auf der Insel und der Plan war, meine Schwiegermutter zum Dinner zu uns einzuladen. Sie war schon seit Weihnachten nicht mehr bei uns zum Essen gewesen. Lammstelzen waren gewünscht! Meine 90jährige Schwiegermutter benötigt nun mehr und mehr unsere Fürsorge. Wiederkehrende Infektionen der Atemwege machen viele Arzt- und Krankenhausbesuche notwendig. Einkäufe müssen erledigt werden, und auch ihr kleiner Bungalow braucht so manche Arbeitsstunde. Glücklicherweise haben wir mittlerweile eine Putzfrau und eine Gärtnerin für sie organisiert. Beides wollte sie so gar nicht und wir mussten schon ein bisschen Druck machen, damit sie es akzeptierte. Am liebsten wäre es ihr, wenn wir diese Jobs übernommen hätten, da wir beide beruftstätig sind, war das schlicht unmöglich. Mittlerweise hat sie sich an diese Personen gewöhnt, denn sie stellen ein wenig Unterhaltung in ihrem mehr und mehr ans Haus gebundenen Alltag dar. Und für uns bleibt immer noch genug zu tun.... We are only a phone call away!
Dann, neulich abends, 19.00 Uhr, ich hatte gerade unser Essen auf die Teller geschaufelt, klingelte das Telefon, Doris am Apparat. Ziemlich aufgeregt erzählte sie mir, dass vor einiger Zeit ein Lieferwagen vor ihrem Haus aufgetaucht sei. Zwei Männer in Hoodies seien eilig ausgestiegen und hätten laut mit den Fäusten an alle Haustüren gehämmert. Ihre Nachbarin sei nicht da, aber deren Haustüre stünde nun weit offen! Vor ein paar Minuten sei noch ein weiteres Fahrzeug - mutmaßlich ein 'Getaway Car' - aufgetaucht, darin säße eine Person, die ihr Haus beobachte, ein Raubüberfall oder gar noch Schlimmeres sei ganz sicher zu befürchten. Ich sagte: 'Halte die Türe zu, stay calm, I'm sending in the Troops' (Hubby ist schon unterwegs!). Noch kurz mit Hubby diskutiert, ob es notwendig ist, dass er sein in Frankreich erworbenes Jagdmesser mitnimmt, wir entschieden uns dagegen - da so eine Waffe auch schell gegen einen gerichtet werden kann (Ja, Dank Jean-Claude und Steven sind auch wir, was kriminelle Machenschaften angeht, auf dem Laufenden!). Ausserdem ist es auf der Insel sowieso illegal, ein Messer mit sich zu führen! Mit dem Rat: 'Don't be a hero, call the Police' verabschiedete ich ihn besorgt an der Tür.
Eine Dreiviertelstunde später war er zurück. Während ich sein Abendessen in der Micro aufwärmte, erzählte er mir, was er herausgefunden hatte. Die Haustüre der Nachbarin war fest verschlossen, die Nachbarin nicht zuhause. Mitarbeiter des Gartenbaubetriebs 'Doug's Landscapes' (so stand es auf dem Lieferwagen geschrieben) hatten in der Nachbarschaft Flugblätter verteilt, was Doris gehört hatte, war das Klappern der Briefkästen! Da der Abend stürmisch war, hatten die Männer ihre Kaputzen tief ins Gesicht gezogen. Im Fahrzeug gegenüber saß eine Frau, die auf ihre Freundin wartete, um mit ihr zum Sport zu gehen, diese stieg gerade ein, als Hubby ankam.... Wir kamen zu dem Schluss, dass nicht alles was im 'Mirror' steht oder im TV gezeigt wird, auch lebensnah ist und eher zur Verwirrung leichtgläubiger Gemüter betragen kann. Ja, und dann  gibt es noch Freundin Mavis, in der gleichen Altersgruppe. Mavis sorgt bei der wöchentlichen Teestunde dafür, das Doris stets im Bilde ist über die neuesten Räuberpistolen aus der Nachbarschaft! Zusammen (Good Thinking, Watson!) hecken die beiden Ladies dann ihre Detektivspiele aus......
Lange Geschichte, kommen wir nun zum Muttertagsessen, was wegen Vertigo statt am Sontag nun am vergangenen Mittwoch stattfand.
drei Lammstelzen, britisch
eine rote Zwiebel, fein geschnitten
eine Bananenschalotte, fein geschnitten
Knofi, gepresst
ein Karotte, fein geschnitten
eine Stange Sellerie, fein geschnitten
zwei Zweige Rosmarin
zwei Anchovis Filets
zwei EL Tomatenmark
ein gutes Glas Rioja (oder anderen Rotwein)
ein EL Marmite - gibt Farbe an die Sauce und Tiefe im Geschmack
Lammstelzen mit Salz und Pfeffer einreiben und in Olivenöl von allen Seiten anbraten. Zur Seite stellen. Nun die Gemüse mit Rosmarin, Anchovis und Knofi ca 10 Minuten anschwitzen, mit Rotwein ablöschen, Marmite und etwas Wasser zugeben und die Lammstelzen in die Sauce legen. Um Backofen bei 180 Grad ca. zwei Stunden offen schmoren. Sauce sieben und ggfs andicken. Lammstelzen mit Kartoffelpüree und Gemüse anrichten. Leider habe ich kein Foto vom fertigen Gericht gemacht, aber Ihr könnt Euch sicher vorstellen, wie es ausgesehen hat.... Schwiegermutter hat die Lammstelzen mit Minzsauce (brrr) genossen!


Kommentare:

Miz Threefivesix hat gesagt…

Wieder eine super Geschichte! Not every hoodie is a hoodlum!!
...und Margaret Rutherford is the one and only Miss Marple!!

Island Girl hat gesagt…

Genau, und mit Margaret Rutherford stimme ich Dir voll zu!