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Sonntag, 17. August 2014

Schweinefilet- Töpfchen - Essen als Religion - lieber nicht!

Also, jetzt muss es einmal raus: Ich finde Essen sollte nicht zur Religion, oder zum Religionsersatz werden! Ich lese viele Food-Blogs und in letzter Zeit fällt mir auf: Askese ist offenbar angesagt! Religion war gestern, heute lebt der Verzicht, auf hohem Niveau, versteht sich. Nur wenn ich mich 'richtig' kasteie, bin ich! Da werden wahlweise Zucker,  Eier, Milchprodukte, Weizen, Fleisch, bzw Schweinefleisch, oder auch nur rotes Fleisch verschmät. Entsagung in Reinstform, fast schon das Nagelbrett des Fakirs! Liebe Leute, wo bleibt denn da der Genuss? Im Namen des Verzichts - oder was auch immer, futtern wir Westler, und das nur, weil wir es uns leisten können, den Menschen in Bolivien das Quinoa wech -  und die nächste Krise, vielleicht bei Kokosmilch, denn die verzehrt momentan auch schon jeder?  Sollten wir uns nicht doch lieber ein bisschen lokaler orientieren, nicht alles so verkniffen sehen und mehr Spass haben, beim Essen?
Fleisch muss nicht jeden Tag, aber ganz darauf verzichten? Das bedeutet doch jedwede Tradition zu verleugnen. Wir Nordeuropäer essen tradtitionell Fleischgerichte, wollen wir  alle diese Rezepte in Zukunft nicht mehr kochen und damit unsere Identität komplett kompromittieren? So etwas käme zum Beispiel den Franzosen gar nicht erst in den Sinn. Ich persönlich finde, auf die Herstellung kommt es an, diesen Prozess sollten mehr und mehr Leute kritisch hinterfragen, denn wenn genug Leute das wollen, und auch bereit sind dafür zu bezahlen, kann sich auch in der Tierhaltung etwas ändern!
Filet-Töpfchen, der Schlager auf den Speisekarten meiner Kindheit, jedes Restaurant, das auf sich hielt, hatte eine Version auf der Karte, wahlweise auch mit Käse überbacken. In meiner Kindheit in den Siebziger Jahren gingen wir eher selten ins Restaurant, denn meine Eltern hatten sich ein Riesenprojekt übernommen, sie bauten ein eigenes Haus, von Grund auf.....und ich meine wirklich von Grund auf, mit Spaten in der Hand wurden die Fundamente ausgehoben! Wenn wir dann doch einmal in Restaurant gingen, Samstag oder Sonntag Abend, bestellte sich Mutti meist so ein Filet-Töpfchen. Und weil das so schön zu diesem Event passt, 
 Kindheitserinnerungen
koche ich das jetzt auch nach. Für vier Portionen braucht man:
Ein Schweinefilet, aus biologischer, lokaler Aufzucht - in mundgerechte Stücke geschnitten
1 große Bananenschalotte, kleingeschnitten
1 rote Zwiebel, dito
2 Knofizehen, gerieben
Bund frischer Thymian (aus dem Garten)
250g braune Champignons, in einer separaten Pfanne in etwas Butter braun gebraten
Lorbeerblatt
Rapsöl
getrocknete Steinpilze (optional)
1 Schuss Weisswein
250ml Hühnerfond
Abschmecken mit Senf, Pfeffer, Salz und Double Cream
ggfs mit etwas Speisestärke anbinden
Zwiebeln mit Knofi und Thymian in reichlich Rapsöl anschwitzen, Schweinefilet zugeben und von allen Seiten anbräunen. Mit Weisswein ablöschen und vorgebratene Pilze, getrocknete Pilze und Hühnerfond zugeben und auf kleiner Flamme 20 Min leicht köcheln lassen. Abschmecken und ggfs andicken. Ein leckeres Sonntagsessen, Rösti würden sicher gut dazu passen, bei uns gab es Reis.
Wenn es den Schweinchen so gut geht, wie hier unlängst in Norfolk gesehen, kann man sicher auch ab und zu beruhigt Schweinefleisch auf den Tisch bringen.

Kommentare:

Lola Cambola hat gesagt…

Vielen Dank für diese Worte :-) DANKE DANKE DANKE! Endlich sagts mal einer :-) Und das Filet sieht super lecker aus :-)

Liebe Grüße,
Lola

Hillside Garden hat gesagt…

Gacker, den Schweinen geht es sehr gut, ich habe kürzlich auch euer Schweinecamping fotografiert!
Missionare wirst du überall finden, reg dich nicht auf. Ein gesundes Mittelmaß in allen Lebenslagen ist angesagt, du machst das genau richtig.
Fleisch ist übrigens viel gesünder als sein Ruf, schon der erste Mensch aß es. Nur was die Menschen dann aus den Lebensmitteln gemacht haben und wieviel sie davon essen, z.B. genveränderten Weizen seit 1940, das ist das Schlimme. Ich habe gestern auch schön gekocht, mit Fleisch und sehr viel Gemüse, einige Gewürze und Pasten - und ich möchte es nicht missen.

Sigrun

Sandra von from-snuggs-kitchen hat gesagt…

Auch von mir ein Dank für die Worte - wir schwimmen diesbezgülich auf einer Wellenlänge :)

Und auch wenn ich jünger bin - Filettöpfchen kenne ich auch noch. Wir haben auch noch 2-3 ältere Gaststätten die es auf der Karte haben.

Und ein Tellerchen davon hätte ich jetzt gerne!

Vielen Dank für Deinen Beitrag zum Event.

magentratzerl hat gesagt…

Ich unterschreibe bei Dir. Mein Sorgenkind ist das Soja....wenn man alle tierischen Produkte so ersetzt ....ich möchte es mir nicht vorstellen. Genuss und Ausgewogenheit, das macht Spaß und ist sicherlich auch gesünder, als sich zu kasteien.
....und außerdem hast Du mich jetzt an ein Kindheitsgericht erinnert :-)

stadtgarten hat gesagt…

Das Rezept für das Filettöpfchen klingt lecker, ich glaube, das probiere ich demnächst mal aus!
Und all das, was Du hier zum Thema essen und genießen etc. gesagt hast, kann ich voll und ganz unterschreiben.
Liebe Grüße und eine schöne Woche, Monika

Lis hat gesagt…

Man sollte jedes Rezept immer zweimal lesen! Ich hatte zuerst nämlich statt Bananenschalotte erst Bananenschale gelesen und mich noch gewundert dass niemand was dazu geschrieben hat...... :-)

LG Lis

Toettchen hat gesagt…

Und der größte Witz: Diese Asketen sprechen auch noch von Genuss!

Toni S hat gesagt…

Sieht sehr lecker aus! Das vorletzte Bild hat es mir angetan. Dürfte grad auch mein Teller sein!