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Samstag, 30. August 2008

Wir leben nicht allein - die lieben Nachbarn

Heute möchte ich mal über unsere Nachbarn schreiben, ich will allerdings nicht den Eindruck erwecken, dass es Probleme in unserer Nachbarschaft gibt, das Gegenteil ist der Fall - wir verstehen uns alle gut, treffen uns regelmässig, und sehen die kleinen Marotten der anderen mit einem Zwinkern im Auge.

Da wäre zum Beispiel Joe. Joe wohnt, zusammen mit seiner Frau Mary gegenüber ein einem schönen freistehenden Haus. Er ist um die 60, und war früher einmal Lehrer. Aus dem Schuldienst ist er allerdings schon vor Jahren ausgeschieden. Heutzutage verbringt er seine Zeit, und davon hat er reichlich, damit in der Nachbarschaft mit Mülltransporten auszuhelfen.
Das hat den Vorteil, dass er gewissermassen exklusiv zu sehen bekommt, was andere Leute wegschmeissen wollen. Vieles davon kann er selbstverständlich noch gebrauchen und sammelt es daher in seiner Garage (die hat er schon seit Jahren nicht mehr beteten, da sie so mit Dingen vollgestopft ist, dass er kaum das Tor öffnen kann).
Es war alles viel einfacher, als er noch seine Feuertonne vor dem Haus stehen hatte, da hat er den Müll der Nachbarn einfach in seinen Lieferwagen eingeladen und, wenn Mary das Haus verliess, ein munteres Feuer auf seiner Einfahrt angezündet. Bei gutem Wind, und wenn keiner der Nachbarn gestört hat, konnte er das Feuer so über einige Stunden gut in Gang halten.
Das ging einige Jahre so, und weil Joe so ein netter Kerl ist, haben wir uns nie beschwert, obwohl es uns schon manchmal ziemlich auf den Zeiger ging.
Andere Mitbewohner waren wohl nicht so kulant und so kam bald eine offizielle Mitteilung von der Stadt, dass er das mit der Feuertonne auf der Einfahrt bitte einstellen solle.
Das hat er auch gemacht und alle haben aufgeatmet, aber nun hat er ein neues Hobby entdeckt: Er wässert die Strasse - bis zu 5x am Tag kann das so gehen. Nun könnte man denken, dass das ja Wasserverschwendung ist und einen Haufen Geld kostet. Dem ist aber nicht so, den er hat keine Wasseruhr. Damit ist er nicht allein, denn in England haben ca. 50% aller Haushalte keine Wasseruhr. Das bedeutet nicht, dass diese Haushalte kein Wassergeld bezahlen müssen, sie werden nur pauschal veranlagt. Wir hingegen, auf der anderen Strassenseite haben eine Wasseruhr und werden nach Verbrauch berechnet. Bei Joe wird also munter gewässert, er spritzt sein Haus von aussen und die Friedhofsmauer ab, er spritzt die Bäume, die an sein Grundstück grenzen, ab und manchmal hält er seinen Schlauch auf trocke Blätter und spült sie den Rinnstein runter, so wie wir das als kleine Kinder früher auch gemacht haben. Dabei hat er mächtig Spass, das kann man seinem Gesichtsausdruck entnehmen.....
Während ich dies noch schreibe höre ich auf der Strasse schon das vertraute Prasseln auf den Asphalt. Wir trösten uns damit, dass wir vom Wässern der Strasse wenigstens keine Atemwegserkrankung bekommen werden :o))