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Donnerstag, 18. September 2008

Friedhofskultur

Was ich vielleicht schon erwähnt hatte, wir leben neben einem Friedhof.
Das ist sehr schön weil man da keinen "trouble with the neighbours" bekommt - wie der alte "standing joke" hier geht.
Neben dem Friedhof ist es allerdings nicht immer so ruhig und friedvoll wie man annehmen könnte. Einmal die Woche, meist an einem schönen, sonnigen Morgen, donnert eine Brigade von Rasenmähern für mindestens eine Stunde über den Friedhof.
Im Königreich sind die meistenFriedhöfe mit Rasen ausgelegt, und der will eben gemäht werden. Für das Mähen ist der Local Council verantwortlich und die Gebühren dafür werden meines Wissens von der Council Tax getragen, die jeder Hauseigentümer hier zahlen muss.
Gras auf den Friedhöfen ist deswegen angesagt, weil man sich dann nicht so dolle um die einzelnen Gräber kümmern muss, weil es ordentlicher aussieht und weil sich der Friedhof dann auch für das eine oder andere Picknick besser eignet.
Nun muss man wissen, dass hier auf der Insel keineswegs jeder Verstorbene automatisch auf einem Friedhof landet. Die Bestattungskultur ist hier recht freizügig. So ist es zum Beispiel möglich im eigenen Garten begraben zu werden, bei einem etwaigen Hausverkauf muss das Grab dann zwar deklariert werden, aber im Prinzip steht dem nichts entgegen.
Auch ist es hier total normal, dass die Asche der Verstorbenen den Angehörigen ausgehändigt wird und diese dann damit tun und lassen können was sie für angemessen und im Sinne des Verstorbenen halten. Die Überreste werden durchaus auf den heimischen Kaminsimsen oder dekorativ an einem anderen Platz im britischen Heim aufbewahrt.
Eine weitere populäre Variante ist das Verstreuen der Asche auf sogenannten "Beauty Spots", so ist z. B. der Gipfel des Mount Snowdon in Wales offenbar bereits mit einem für die Flora und Fauna bedenklichen Mass an Asche angefüllt.
Was das Leben neben dem Friedhof angeht, so hat es noch andere Nebenerscheinungen. Die verschiedenartige Knochen, die ich bei der Gartenarbeit finde, ordne ich nicht anatomisch zu, sondern lasse sie sofort diskret in der Mülltonne verschwinden, ich will schliesslich nicht unseren lokalen Constable auf den Plan rufen, und über das teilweise gigantische Wachstum von tiefwurzelnden Pfanzen in meinem Garten mache ich mir auch keinen weiteren Kopf - es liegt am "Cemetery Juice" da bin ich mir ganz sicher.
Berühmte Friedhöfe in London sind der Highgate Cemetery in London, dort ist u. A. auch das Grab von Karl Marx zu finden und Brompton Cemetery, der unter der Verwaltung der Royal Parks steht, dort finden regelmässig Events statt.

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