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Mittwoch, 11. März 2009

Herr Ribbeck auf Ribbeck im Havelland......


Herr Ribbeck auf Ribbeck im Havelland
Ein Birnbaum in seinem Garten stand
und kam die goldne Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: »Junge, wiste 'ne Beer?«
Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn.«
So ging es viel Jahre, bis lobesam

Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. 's war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab.«
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
Sangen »Jesus meine Zuversicht«,
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
»He is dod nu. Wer giwt uns nu 'ne Beer?«
So klagten die Kinder. Das war nicht recht

-Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was damals er tat,
Als um eine Birn' ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.
Und die Jahre gingen wohl auf und ab,

Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet's wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung' übern Kirchhof her,
So flüstert's im Baume: »Wiste 'ne Beer?«
Und kommt ein Mädel, so flüstert's:
»Lütt Dirn,Kumm man röwer, ick gew' di 'ne Birn.«
So spendet Segen noch immer die Hand

Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

Dieses Gedicht von Theodor Fontane, welches wir in lang vergangenen Schulzeiten auswendig lernten, kam mir neulich in den Sinn, als ich in meinem Garten einen Birnbaum pflanzte.
Der romantische Gedanke, dass sich der Herr Ribbeck mit einer Birne im Sarg begraben liess, nur um den Kindern weiterhin Birnen schenken zu können, ist schon genial.
Ich muss gestehen, ich habe eine Schwäche für alle in Supermärkten zu dieser Jahreszeit auftauchenden, in Plastik verpackten Gewächse. Für mich ist es gewissermassen eine "Rescue Mission" - ich sehe mich als Retter dieser armen Pflanzen und so quillt unser Kleingarten langsam an jeder Ecke über mit dankbaren Pflänzchen, die noch vor Kurzem ein klägliches Dasein auf einem Supermarktregal geführt haben.
Die besagte Birne, für kleines Geld erstanden - in der lokalen Lidl Niederlassung, ist eine "Beurre Hardy" - schon der Name lässt auf eine französische Herkunft schliessen. Der deutsche Name "Gellerts Butterbirne" ist da weitaus bodenständiger. Die Recherche ergab, dass diese Birne 1820 in Frankreich zum ersten mal gezüchtet wurde. Das dem Baum beigefügte Bild zeigte eine rotwangige, rundliche Birne - zum Anbeissen sah sie aus - und dieser Name "Beurre Hardy" - tres chic - tres elegant!
Die Recherche ergab leider auch, dass dieser Birnbaum, um überhaupt Birnen entwickeln zu können, einen Kumpel braucht. Das bereitete mir nun doch einiges Kopfzerbrechen, denn unser Garten ist wirklich zu klein, um noch einen weiteren Baum zu pflanzen. Zwei Wochen lang hoffte ich, dass sich in unserer Nachbarschaft irgendwo eine einsame Birnbaumseele befinden möge.... und dann am letzten Wochenende, als ich den hinteren Gartenzaun anstrich, sah ich ihn, er blinzelte freundlich über den Zaun, direkt im Nachbargarten, ein kleiner Birnbaum - ich denke er ist eine "Conference Pear" und daher bestens geeignet mit meiner "Beurre Hardy" kleine Birnchen zu fabrizieren.
Nun kann ich wieder beruhigt schlafen, gewiss, dass einer erfolgreichen Birnenernte nix mehr im Wege steht, oder vielleicht doch?
Der Engländer hat das nette Sprichwort "You plant Pears for Your Heirs", was wohl bedeuten soll, dass es doch nicht so schnell eine reiche Birnenernte geben wird. Da kommen schon eher die Erben in den Genuss, womit wir wieder beim Herrn Ribbeck angelangt wären, der ja auch an die Nachkommen dachte.
Einstweilen gab es bei uns erst Mal pochierte Birnen zum Nachtisch.

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