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Mittwoch, 4. November 2009

Englische Sanitärinstallationen - dem gibt es kaum etwas hinzuzufügen

Nach über einem Jahr bloggen für England muss ich heute endlich einmal über ein heikles Thema hier auf der Insel schreiben. Die Sanitärinstallationen, oder was hier so dafür hält :o))
Der Englandkenner schmunzelt bereits, wenn er dies liest, denn er versteht genau, was ich meine. Oben im Bild wird es deutlich, es gibt keine Mischbatterien, jedenfalls meistens. In den letzten Jahren hat sich da schon was getan, aber immer noch sehe ich selbst Autobahnraststätten mit solchen Mini-Wasserkran-Arrangements.
Ich bitte Euch, wie soll ich mir da mit angenehm temperierten Wasser die Hände waschen, wie soll ich etwas lauwarm abspülen? Der Kaltwasserkran ist kalt, spritzt meist auch noch doll und der Heisswasserkran ist so heiss, dass überall Warnschilder angebracht wurden, um Kunden vor möglichen Verbrühungen und die Organisationen vor teuren Schadensersatzklagen zu schützen. Das Wasser aus diesen Pipikränchen ist wirklich HEISS.
Meiner Ansicht nach sind derartige Arrangements NUTZLOS, denn wer steckt schon im Pub, im Bahnhof oder auf einer öffentlichen Toilette den Stöpsel rein, lässt sich ein Becken voll Wasser und hat auch noch einen Waschlappen mitgebracht - NIEMAND tut so etwas - auch nicht die Engländer, das kann mir keiner weismachen.
Wer denkt sich also bitteschön diese Arrangements aus??? Ich frage mich immer, probieren die Planer ihre eigenen Sanitäranlagen vielleicht auch selbst einmal aus - und warum schaunen die Planer nicht mal über den Zaun, auf dem Kontinent tun sich da schon seit Jahren ganz andere Sachen?
Und dann sind da noch die Porzellanspülkästen mit dem Hebel an der Seite, ihr wisst schon, wovon ich spreche. Einmal spülen funktioniert bei diesen nie, und schon so mancher Tourist hat von Panik erfasst Stunden auf der Toilette zugebracht, und versucht U-boote zu versenken. So einfach geht das aber nicht, da muss man schon mehrmals ran. Was die wenigsten wissen, ist dass man den Hebel in einer Pump-Action-Weise (schnell hin und her bewegen) benutzen kann und so tatsächlich ein zufriedenstellendes Spülergebnis erzielt.
Wir haben vor einigen Jahren unser Bad neu gemacht und eine Ein-Knopf-Spülung installiert. Diese funktioniert aber nicht etwa, wie im Rest von Europa üblich, auf sanften Knopfdruck, sondern da muss man schon beherzt zudrücken, sehr beherzt, sonst tut sich nichts. Ich bin sicher mein Daumen hat mittlerweile die Anfänge eines Tennisarms, so beansprucht ist er bereits. Das ist nix für Kleinkinder und alte Leute und schon einige unserer Besucher hatten da ihre Schwierigkeiten. Mein Schwager aus USA versuchte unlängst mitten in der Nacht mit dem Zahnputzbecher Wasser zu Schöpfen. Nach einigen derartigen Zwischenfällen, in denen Hubby einschreiten musste, sind wir nun dazu übergegangen immer eine gefüllte Gartengiesskanne im Bad vorrätig zu halten, wenn wieder Besuch aus Deutschland oder USA da ist.
Sonst kommt uns am Ende keiner mehr besuchen - ausserdem mache ich meist noch eine kurze Führung, in der ich dann die Eigenheiten der britischen Sanitäranlagen erläutere.
Aber sind wir doch mal ehrlich, diese kleinen Eigenheiten vertreiben die Eintönigkeit und machen das Leben auf der Insel so romantisch und auch ein wenig abenteuerlich - findet Ihr nicht?

Kommentare:

Bolli's Kitchen hat gesagt…

ist in Frankreich ähnlich!

ulla hat gesagt…

ich habe herzlich gelacht, unser klo hieß wolga und mancher besucher hat dort schweißausbrüche bekommen. ich erinnere mich noch gut, wir hatten so einen plastikschlauch im bad um das wasser zu mischen und ich habe mir am ersten tag beim duschen so den kopf verbrannt, es war schon abartig. ich hatte die hoffnung 2009 wäre das alles besser, aber sie hat wohl getrüft - die hoffnung. liebe grüße. ulla

Hillside Garden hat gesagt…

Kreisch! Ich habe gerade ein deja vue! Also ganz ehrlich, ich könnte im Urlaub darauf verzichten, und in guten Ferienhäusern ist es aber auch anders. Ich bin eine begabte U-Boot-Versenkerin, das kannst du glauben!

Das schärfste allerdings ist eine Badewann ohne Duschvorrichtung. Dann wasche ich meine Haare mit dem Milchtopf. Oder aber - ebenso scharf - der Anblick am Außenhaus laufender Abwasserleitungen, schräg über das Haus.
Very british eben - so richtig cosy!

Sigrun (die bereits wieder plant)

Susanna hat gesagt…

Hört sich wirklich nach einer Reise in ein fernes land an. Ich war noch nie in England. Wir sind aber für nächstes Jahr am planen wobei mich diese lange Autoreise schon sehr abschreckt, ob ich mir das antun möchte. Wir sollten besser fliegen und uns einen Mietwagen nehmen.
Bolli muss ich aber widersprechen solche Erfahrungen habe ich die letzten 30 Jahre in Frankreich noch nicht gemacht. Na ja bis auf die Stehtoiletten da bekommt man schon mal gerne eine gratis Fußwäsche mitgeliefert.
Liebe Grüße Susanna

Gartenfee hat gesagt…

Sehr treffend beschrieben, dem gibt es wirklich nichts mehr hinzuzufügen (lach)! Ich kann der Sigrun nur beipflichten, Haare waschen ist da absolut abenteuerlich, und diese komischen Gummischläuche bringen überhaupt nichts, weil sie ständig abflutschen. Da ist schon sehr viel Kreativität gefragt.

Liebe Grüße, Bärbel

Aiko macht sich Gedanken hat gesagt…

He - da muss ich direkt mal dazwischen wuffen - ist das abenteuerlich und auch noch "gefährlich" mein Rudel lächelt - es ist immer noch ein wenig entrückt - dieses old England aber - Frankreich - wie ich mich erinnere - zeigt´s sich da auch nicht viel besser - !Jetzt bin ich ja mal gespannt bis sich auch hier bei uns die ersten "Haushaltsvorstände" outen. Toller Post - wie Du siehtst auch sehr "lustig" !
Wuff und LG
Aiko

Frauke hat gesagt…

bitte doch deinen Auslandsbesuch eine vernünftige Mischbatterie mitzubringen oder sind die Leitungen auch nicht genormt...
als ich dort au pair war, ist es mir nicht aufgefallen, da es daheim ja ebenso war, keine Mischbatterie am Waschbecken,
durch den einfachen Gasbrenner vom Warmwasserbereiter war das Wasser entweder zu heiß oder zu kalt, da sich die Temperatur mit der Menge änderte,
also Litermaß zum Haarewaschen

aber ich kenne auch noch Zeiten, da saß ich in der Zinkwanne und meine Mutter hat das Wasser mühsam auf dem Kohleherd heiß gemacht
und als junges Ehepaar 1969 hatte ich nur fließend heißes Wasser aus einem Kohlebadeofen, der noch mit seinem Qualm die Küche unter Rauch setzte, also ging man ins Schwimmbad oder machte mit dem Teekessel heißes Wasser--

ein Spaß war immer das Zeltlager, wenn die Kinder mal wieder einfachste lebensart kennenlernten...
Frauke

Island Girl hat gesagt…

@Bolli: Habe ich noch nie in Frankreich bemerkt - aber Du als Insider hasteinen anderen Einblick
@Ulla: den Plastikschlauch habe ich hier auch schon gesehen....
@Hillside Garden: In vielen Häusern hat es sich schon geändert, was ich schlimm finde, in den meisten Pubs oder öffentlichen Toiletten noch nicht
@Susanne: Komm auf die Insel, es ist wirkich schön hier - versprochen!!
@Gartenfee: Mit dem Duschen hat man es hier traditionell nicht so, baden ist angesagt und Haare waschen mit dem Messbecher...
@Aiko: Danke, für Deinen Beitrag, aus Hundesicht.
@Frauke: Ja, da sagst Du was, als wir das Bad neu gemacht haben kamen Grohe Mischbatterien rein, dann stellte sich raus, dass man dafür einen bestimmten Wasserdruck braucht, die meisten Häuser hier auf der Insel haben noch eine viktorianische Hauptleitung, also mussten wir eine Shower Pump installieren, um den erforderlichen Druck zu haben, das ist jetzt ok, aber macht Lärm.... eine Shower Pump hatte ich zum letzten Mal in Deutschland in einem Wohnmobil - man lernt sich mit dem Mangel bzw den Problemen abzufinden....

Mister Bingley hat gesagt…

Hello Islandgirl,
seit Monaten schauen wir täglich auf Deiner Seite nach, wunderschön kann ich nur sagen. Es verkürzt uns die Zeit, die wir hier auf dem Kontinent in old germany verbringen müssen und nicht in England seien können. Es gäbe sooo viel darüber zu schnuddeln, aber das würde hier den Rahmen sprengen. Zum Thema "Sanitäreinrichtung" kann ich nur sagen, nur das Lesen der Überschrift, ohne den nachfolgenden Text, brachte mich zum schmunzeln, weil ich genau wusste, was folgen würde. Ich kann nur sagen, es ist ein ständiges Ärgernis, man muss es eben mit dem Gleichmut der Briten ertragen, irgendwann fängt man selbst an darüber zu schmunzeln, denn "unser" geliebtes England wäre nicht mehr wie es war, würden sich solche antiquierten Dinge ändern. Und es könnte schlimmer kommen, wir könnten keinen Tea mehr haben. ;-)

Ganz liebe Grüße

Juliane u. Hermann

Island Girl hat gesagt…

Hallo Juliane und Hermann
Genauso sehe ich das auch, nur ab und zu kommt es auch mal hoch und dann will ich ein funktionierendes Bad :o))
LG

Antje hat gesagt…

Hi

ich habe zwei Erklärungen dafür gefunden:
Grund 1 dafür ist der geringere Druck des Heißwassers – das würde das Mischen bei einer Mischbatterie sehr schwierig machen, schlimmstenfalls würde das kalte Wasser das heiße Wasser wieder in die Leitung zurückpressen. Andererseits hat dies den Nachteil, dass man sich für kaltes oder heißes Wasser entscheiden muss und die Temperatur nicht wählen kann.

Grund 2: Früher befürchtete man, daß das stehende Warmwasser dazu führt, daß in alten Leitungen das Wasser verkeimt. Beim Mischen würde das komplette Wasser verkeimt. So zapfte man "Trinkwasser" aus der kalten Leitung, die komplett separat läuft.

Es war jedenfalls bis vor wenigen Jahren tatsächlich verboten, Mischbatterien zu haben.
Keine Ahnung, wie das baurechtlich inzwischen auszieht oder ob die Realität und der Wunsch nach Komfort das Gesetz überholt hat.

Wendy

Island Girl hat gesagt…

Hi Wendy
Ja, so ist das wohl, die Leitungen sind eben zum grössten Teil noch viktorianisch. Heutzutage gibt es mehr Mischbatterien, aber meist muss dann noch etwas an der Haustechnik gefeilt werden (Heisswasser aus einem Druckbehälter) damit es wirklich klappt.
LG

rp1703 hat gesagt…

Zu den getrennten Wasserhaehnen muss man folgendes sagen: Im Vereinigten Koenigreich hat man die herkoemmlichen Batterien muehsam verboten mit dem Argument, dass sich im lauwarmen Wasser der Mischwasserroehre Keime bilden koennen.

Im Gegensatz dazu wird in den Kaltwasserhaehnen eine gewisse Temperatur nicht ueberschritten und in Heisswasserhaehnen werden die Keime alle weggekocht. Insofern muss das Wasser auch bruehend heiss sein.

Erlaubt sind wohl nur solche Mischbatterien, bei denen zwei getrennte Roehren sich erst nach dem Scheitelpunkt des Wasserkrans vereinigen. Die bzgl. des obigen Arguments beste Loesung sind wohl die getrennten Haehne und daher findet man sie insbesondere in Gebaeuden wo sich viele Leute die Haende waschen (Krankenhaus/Universitaet/Schulen etc.)

Das Ergebnis ist, dass man tatsaechlich angehalten wird ein kleines "Pfuetzchen" zu schaffen. Ich fand das so abwegig, dass ich mir auf den Stoepsel erst keinen Reim machen konnte, bis es mir gesagt wurde. Wir haben viel internationales Publikum an unserer Uni; viele darunter sind wohl gewoehnt auch die Atemwege am Waschbecken zu reinigen (um es vorsichtig auszudruecken).

Da wir immer Aktions-Emails wie "Achtung Menengitis" oder "Der Schweinegrippen-Butzemann geht um" bekommen, habe ich auf diesen Umstand aufmerksam gemacht. Man hat mitgeteilt, dass lauwarmes Wasser besser zum Haendewaschen geeignet sei. (?!)

Im Uebrigen benutzt man dann auch in kuehlen Jahreszeiten Kaltwasser, und macht es dementsprechend ungerne. Nie wuerde es --- trotz aller Fernsehspots, Aushaenge und Aktionsemails, die alle Haendewaschen zum obersten Prinzip erklaeren --- einem Briten einfallen, den Grund fuer die hohe Infektionsrate bei Schweinegrippe bei den Wasserhaehnen zu suchen.