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Donnerstag, 4. Februar 2010

Kleiderordnung auf der Insel

(hier im Foto sieht man übrigens Hubby, beim anprobieren einer neuen Freizeithose in Fat Face in Witney)
'Morgen aber nicht wieder mit Cordhose' sprach mich neulich meine Teamleaderin an. Ich arbeite derzeit als Zeitarbeitskraft in einem Callcenter, kein Publikumsverkehr, dennoch gelten strenge Kleidervorschriften. Keine Jeans, das war mir bekannt, aber dass auch Cordhosen verpönt sind, wo sie doch so gemütlich sind, war mir neu. Keine Trainers, das versteht sich in Deutschland eigentlich von selbst, denn Trainers sind zum Sport gemacht, und an den wenigsten Arbeitsplätzen findet sportliche Betätigung statt. Freitags ist bei mir im Office dann aber 'dress-down day' - wie im Kindergarten, da darf man Jeans und T-Shirt anziehen.
Kleidervorschriften gibt es hierzulande viele. Das fängt in der Schule mit den Schuluniformen an und setzt sich über den Arbeitsplatz bis in die Freizeit fort.
Da gibt es Smart-Business, Smart, Smart-Casual, Dinner Jacket, black Tie, LBD - die letzteren sind für die Christmas Parties und Ordensverleihungen (dann bei den Damen aber unbedingt mit Hut und Jäckchen) bei der Queen reserviert.
Einmal wurde ich von meiner früheren Firma aufgefordert, als ich an einem Sonntag (unbezahlt) zu einer Konferenz im Ausland anreiste, nicht in Jeans zu reisen, da ich schliesslich immer, wenn ich das Haus verliesse, die Firma repräsentierte.... und das mit Easyjet!
Die 'smart-business' Vorschrift an den meisten Arbeitsplätzen bedeutet für Frauen, schwarze Hose, weisse oder leicht gestreifte Bluse, fertig. Die Supermärkte bieten die schwarzen Hosen ab einem Preis von £5 und die Blusen zu einem ähnlichen Preis an, da lohnt sich fast das Waschen nicht. Steigt man ins Management auf, gilt für Männchen, wie für die Weibchen - Anzug - der dann auch wieder gerne mit weisser Bluse.
Diese strengen Vorschriften führen auf der anderen Seite dazu, dass viele Menschen ihre Freizeit gänzlich kleidervorschriftenlos verbringen wollen und daher vorwiegend in Sportschuhen und Trainingshosen herumlaufen. Im Sommer sieht man überall Männer mit nacktem Oberkörper, beim Einkauf, im Auto und sehr gerne auch im Biergarten des Pubs. An den Temperaturen kann es nicht liegen, denn in südlichen Ländern, wo diese eindeutig höher sind, würden sich die Männer so nicht wohlfühlen. Es scheint hier auf der Insel keinen Mittelweg zu geben und im Ausland erkennt man den britischen Touristen fast überall (in den USA nicht - denn dort ist es noch schlimmer) an seinem (schlechten) Freizeitkleidungsstil.
Letzte Woche wurde einer Frau in Cardiff in Wales der Zutritt zu einem Tesco Supermarkt untersagt, da sie sich im Pyjama befand. In vielen anderen Supermärkten wurden ähnliche Schilder aufgestellt, auch nackte Oberkörper (bei Männern) sollen nun bei Tescos abgeschafft werden.
Bei meinem letzten Tesco-Einkauf habe ich neugierig meine Augen aufgemacht, es war morgens und die Silberbrigade war beim Einkauf und siehe da, unter vielen Winterjacken lugten hier und da die Zipfel eines Nachhemdes oder eine Pyjamahose heraus und auch Hausschuhe sah ich einige :o))

Kommentare:

Quiltnaht hat gesagt…

Einfach gut geschrieben, Dein Bericht zur britischen Kleiderordnung. Du berichtest mit einem feinen Sinn für Humor, ich könnte noch viel mehr von Dir lesen!
LG aus dem tief verschneiten Brandenburg
Marina

Island Girl hat gesagt…

Hallo Quiltnahnt - Danke für den lieben Kommentar, also ich könnte da Stories erzählen, das glaubt einem keiner.....
LG

Eva hat gesagt…

Einfach wunderbar :)
Vielen Dank für den immer wieder witzigen Einblick in die Lebensart der Briten.