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Sonntag, 23. Januar 2011

Toast

Die Briten haben ein fast erotisches Verhältnis zu Ihrem Toast. Bevor Brot getoastet wird, heißt es übrigens 'Bread', auch wenn es für uns wie Toastbrot aussieht. Hubby schaut mich daher auch immer verständnislos an, wenn ich ihm eine Einkaufsliste mit dem Wort 'Toast' überreiche. So etwas könne man nicht im Geschäft kaufen, das macht man selbst :o))
Nun weiß ich aber Bescheid. Toast tröstet die Seele in allen Lebenslagen, zusammen mit einer guten 'Cuppa', wie der Brite liebevoll seine Tasse Tee nennt, kann man damit einfach alle Widrigkeiten des Lebens und sogar Kriege überstehen.
Toast macht man heute im Toaster, früher wurde er am offenen Feuer, welches sich in fast allen Wohnstuben auf der Insel befindet, hergestellt. Dazu eigens erfunden die 'Toasting Fork' - eine Gabel mit breiten Zinken und einem langen Stiel, damit man sich nicht die Finger am Feuer verbrennt. Gegessen wird Toast warm und mit Salzbutter bestrichen. Auch ist es wichtig, dass man ihn nach dem Bestreichen mit Butter diagonal 1- oder auch 2mal durchschneidet. Wenn die Butter in den Toast sinkt und ihn in der Mitte etwas weich macht, ist er am Besten!!!
Nur bitte keine Kravatte tragen, beim Genuss, denn es geht schon Mal etwas daneben.
Wenn etwas gemütlich ist in Britain, dann spricht man davon, dass es 'toasty' ist. So gibt es durchaus 'toasty socks', was nicht etwa getoastete Socken, sondern warme Socken sind. 'Warm as Toast', sagt man auch gerne, wenn man gemütlich vor dem Kamin sitzt.
Pünktlich zur Mitarbeiter-Zufriedenheits-Befragung wurde in der letzten Woche bei uns im Büro im Aufenthaltsraum ein Toaster installiert. Nun können wir toasten bis der Arzt kommt, allerdings ist uns der Verzehr von Toast am Arbeitsplatz wegen Krümeln dann doch nicht gestattet.
Unsere Belegschaft besteht aus verschiedenen Herkunftsgruppen, da sind die Deutschen, die Polen, die Afrikaner, die Inder und die Briten. Die Deutschen, Polen, Afrikaner und Inder zeigten sich von der Neuanschaffung ziemlich unbeeindruckt.
Ganz anders hingegen die Briten, es bildeten sich regelrechte Versammlungen am Toaster, er wurde bestaunt, mancher streichelte ihn sanft. Der Plastikgeruch des ersten Aufheizens zog durchs Büro, seit dieser sich verzog, riecht es den ganzen Tag nach Frühstück. Das Teil muss Hochleistungssport betreiben, so oft wird dort getoastet, ganze Brote schleppt man an. Zweimal gab es seither bereits Feueralarm, da wurde die gesamte Etage evakuiert, bibbernd standen wir unten und warteten auf das 'all clear'. So mancher der Kollegen träumte unterdessen vom wärmenden Toast.
Was nicht zu erwarten war, seit der Toaster installiert ist, flog dauernd die Sicherung raus, der zuhilfe gerufe Elektriker diagnositzierte eine schwache Installation, das Richtigzustellen werde teuer, da man ganz anders Absichern müsse.
Geld ausgeben, das geht bei uns ja gar nicht, schließlich hatte man die Investition des Toasters noch lange nicht verkraftet...... Da griff man zur vereinfachten Lösung. Es wurde anstatt einer fünffach-Verlängerung einfach eine vierfach-Verlängerung eingesteckt. Nun ist es unmöglich den Kessel oder die Mikrowelle zusammen mit dem Toaster zu betreiben, die Sicherung fliegt nicht mehr raus HAPPY DAYS!!!

Kommentare:

Norma hat gesagt…

Das ist ja goldig ...

ostwestwind hat gesagt…

Hach, wie schön. Und ich habe einen Toastständer und eine original britische Toastzange, nur dass mit der gesalzenen Butter haut hier nicht so hin ;-)

Mia hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Majue*s hat gesagt…

...ich könnte mich schlapp lachen!!!....ich bin ab uns zu mal auf der Insel, aber so eine Geschichte kannte ich noch nicht!!!

Liebe Grüße von Ute

Island Girl hat gesagt…

Hallo Ihr Lieben, ich übertreibe hier nicht etwa,die sind so die Briten, ich schwöre es Euch. Liebe Grüsse von der Insel. Im Bild konnte man übrigens meinen Sonntagstoast sehen, er bestand aus Chiabatta Brot. Ich mag auch gerne Toast - deswegen bin ich ja hier. Gudrun

Eva hat gesagt…

:)))))) ..hahaha, hab mich bei der Geschichte köstlich amüsiert.